17.07.2017

von JD-B° RB

Zu kompliziert und oft zu teuer

Elektroautos: Beim Ladesäulen-Check kommt ein ziemliches Chaos ans Tageslicht

Die Verkehrswende ist nur zu schaffen, wenn das Tanken an der Ladesäule nicht zu kompliziert und nicht zu teuer ist

Eine Million Elektroautos sollten nach dem Wunsch der Bundesregierung im Jahr 2020 zugelassen sein. Die Realität sieht anders aus: Gerade einmal 34.000 reine E-Autos waren zu Jahresanfang nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zugelassen. Mittlerweile hat die Bundesregierung ihr Ziel deshalb auch offiziell aufgegeben. Die Gründe dafür, dass es mit der E-Mobilität kaum vorangeht, sind vielschichtig. Fakt ist: Für Fahrer von E-Autos ist das Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen weiterhin kompliziert und oft auch zu teuer. In der Spitze zahlen sie für eine Reichweite von 100 Kilometern inklusive einmaliger Gebühr bis zu 25 Euro. Das ergab der erste große Ladesäulen-Check in Deutschland, bei dem rund 80 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen stichprobenartig betrachtet wurden. Die statista-Studie wurde im Auftrag des Energie- und IT Unternehmens LichtBlick durchgeführt.

Tarifstrukturen kaum zu durchschauen

Die komplexen Tarifstrukturen sind demnach für Verbraucher kaum zu durchschauen, bei acht der elf untersuchten Betreiber ist zudem kein spontanes Laden ohne vorherige Anmeldung möglich. "Das Chaos an den Ladesäulen ist gewaltig. Intransparente Stromtarife und Zugangshürden schrecken Verbraucher ab. Selbst die Experten benötigten mehrere Tage, um die Tarife und Preise der verschiedenen Betreiber vergleichen zu können", so Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft von LichtBlick. Mit diesem System sei die Verkehrswende zum Scheitern verurteilt. Lücking schlägt deshalb eine radikale Umkehr beim Ausbau der Ladeinfrastruktur vor: "Künftig muss jeder Kunde seinen Haushaltsstrom-Tarif an jeder öffentlichen Ladesäule tanken können. Das ist transparent und verbraucherfreundlich." Dazu sollten die Strom-Zapfsäulen dem Netz zugeschlagen werden, jeder Stromanbieter solle seine Tarife an jeder Ladesäule anbieten können. Nur so könne auch die regionale Monopolstellung einzelner Betreiber verhindert werden.

Oft deutlich höhere Preise als für Haushaltsstrom

Die meisten Ladesäulenbetreiber rechnen nicht nach Verbrauch ab, sondern nach Ladezeit. Umgerechnet auf den Preis pro Kilowattstunde ergeben sich dadurch oft deutlich höhere Preise als für Haushaltsstrom, die Bandbreite reicht je nach Betreiber von 66,9 Cent bis zu 32,2 Cent. Haushaltsstrom schlägt dagegen nur mit durchschnittlich 29 Cent je kWh zu Buche. 

Nur einige wenige Tarife sind mit diesem Strompreis vergleichbar oder sogar günstiger. Berechnungsgrundlage waren jeweils die Kosten pro kWh für eine Tankfüllung für 100 Kilometer mit einem Nissan Leaf an einem AC-1-Anschluss mit einer Leistung von 7,4 Kilowatt. Es wurden ausschließlich Tarife ohne Vertragsbindung berücksichtigt.

Passend zum Thema


Sonderausstellung im Industriemuseum Dingolfing erinnert an die Erfolgsgeschichte

Elektronische Helfer können beim Einparken so manchen Blechschaden verhindern

Bayreuther Autofrühling am 1. / 2. April mit verkaufsoffenem Sonntag und Oldtimer-Ausstellung in der Bayreuther Innenstadt am 2. April 2017

Mehr aus der Rubrik

Die Zweiradtechnik hat mit der Präsentation des ersten serienreifen Antiblockiersystems für Pedelecs einen wichtigen Meilenstein erreicht. Ob diese aufwendige Technik später den Sprung in das echte Fahrrad schafft, bleibt heute noch ungewiss. Die Entwicklung läuft eher in eine andere Richtung

Moderne Fahrzeug-Elektronik hilft zwar dabei, Unfälle zu vermeiden oder zu verhindern. Die diversen Assistenten ersetzen aber nicht die Zuständigkeit und Kompetenz des Fahrers – gerade auch, was das Bremsen angeht. Das muss nämlich geübt werden, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR)

Mit einem Fahrtenbuch 2018 Steuern sparen

Teilen: